Mein Vorbereitungsseminar für den Freiwilligendienst in Ruanda

Vor meinem Freiwilligendienst in Kigali stand zunächst das Vorbereitungsseminar an. Dieses fand vom 20.07.2026 bis zum 26.07.2026 in einem Selbstversorgerhaus in Göttingen statt – gemeinsam mit den Freiwilligen, die nach Tansania ausreisen werden. Am Montagmorgen stieg ich mit wenig Vorstellung davon, was mich in dieser Woche erwarten würde, in den Zug nach Göttingen. Zum Glück wurde ich am Bahnhof von einer Mitfreiwilligen abgeholt, sodass ich mir die Busfahrt zum Veranstaltungsort sparen konnte. Als wir dort ankamen, lernte ich zum ersten Mal die Menschen persönlich kennen, mit denen ich das nächste Jahr verbringen werde.

Der erste Nachmittag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens. Wir spielten verschiedene Kennenlernspiele, gestalteten Namensschilder und kamen schnell miteinander ins Gespräch. Am Abend folgte dann ein Quiz über unsere Einsatzländer – dass ich mit meinem Team natürlich gewonnen haben.

Am Dienstag begann das Seminar dann richtig. Zunächst beschäftigten wir uns mit den verschiedenen Lebensrealitäten auf der Welt. In einem Quiz mussten wir Fragen zur weltweiten Verteilung von Wohlstand, Bevölkerung und Ressourcen beantworten. Dabei stellte sich heraus, dass unsere gesamte Gruppe sogar schlechter abschnitt als der statistische Durchschnitt. Anschließend ordneten wir auf einer Weltkarte Geldstücke, Menschen und CO₂-Wolken den verschiedenen Kontinenten zu. Diese Übung hat mir deutlich gemacht, wie verzerrt unser Bild von der Welt oft ist.

Zum Mittagessen gab es Wraps – und diese sollten sich in der ganzen Woche auch nicht mehr ändern.

Am Nachmittag stand eine Einheit zur Didaktik auf dem Programm. Neben einigen theoretischen Grundlagen konnten wir auch selbst das Unterrichten von Kindern ausprobieren und erhielten viele praktische Tipps für unseren Einsatz.

Anschließend bereitete jede Gruppe einen kurzen Vortrag zu einem politischen Thema in Ostafrika vor. Unsere Ergebnisse stellten wir danach den anderen vor.

Zum Abendessen gab es Chili sin Carne. Danach ließen wir den Tag mit einem kleinen Sportturnier ausklingen. Gespielt wurden Spikeball, Volleyball, Basketball und sogar Schach. Anschließend saßen wir noch lange zusammen und unterhielten uns.

Der nächste Tag begann mit einer Einheit zum Thema Antirassismus. Wir beschäftigten uns mit dem Alltag schwarzer Menschen in Deutschland, unseren eigenen Privilegien als weiße Menschen sowie den Auswirkungen von Mikroaggressionen. Außerdem sprachen wir über den Kolonialismus und dessen bis heute spürbare Folgen.

Nach dem Mittagessen ging es nach draußen. Während eines Spaziergangs besprachen wir verschiedene Situationen, die uns im Einsatz begegnen könnten. Wie reagiert man beispielsweise, wenn der Head Teacher einen händchenhaltend über den gesamten Schulhof führt? Oder wenn man als Frau in Gesprächen ignoriert wird? Besonders diskutiert war die Frage, wie wir reagieren sollten, wenn wir erleben, dass Kinder in der Schule geschlagen werden.

Später folgte noch eine Einheit zum Thema Gesundheit. Dabei ging es unter anderem um die Vorbeugung von Malaria, den richtigen Umgang mit Fieber und weitere gesundheitliche Herausforderungen im Einsatzland.

Am Abend schauten wir gemeinsam den Film „Hotel Rwanda“, der die Geschichte eines Hotelmanagers während des Genozids an den Tutsi erzählt. Im Anschluss führten wir eine lange und sehr bewegende Gesprächsrunde über den Film und die Geschichte Ruandas.

Am nächsten Morgen beschäftigten wir uns zunächst mit der Frage: Was ist eigentlich Kultur? Gemeinsam sprachen wir darüber, wie Kultur unser Denken beeinflusst, welche Unterschiede es geben kann und wie man anderen Kulturen offen und respektvoll begegnet.

Danach folgte einer der für mich wichtigsten Programmpunkte des gesamten Seminars. In unseren zukünftigen WG-Gruppen lernten wir uns intensiv kennen und erzählten von unserem bisherigen Leben, unseren Erwartungen und auch unseren Sorgen. Gerade weil wir ein Jahr zusammenleben werden, war diese Zeit besonders wertvoll.

Unterbrochen wurde dieser Block durch einen Vortrag eines Mitarbeiters des DOSB. Da einige Projekte in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund stattfinden, erhielten wir interessante Einblicke in dessen Arbeit.

Später beschäftigten wir uns noch mit dem Verhaltenskodex und dem Code of Conduct anschließen gaben wir noch unsere Notfallkontakte an. 

Am Abend folgte dann für viele das Highlight des Seminars: Wir bekamen endlich unsere blauen ASC-Jacken und T-Shirts. Danach spielten wir noch gemeinsam Volleyball.

Am nächsten Morgen besuchten uns Eliah und Azizah. Azizah kommt aus Ruanda und absolviert derzeit einen Freiwilligendienst in Deutschland. Sie erzählte uns viel über das Leben in Ruanda und beantwortete geduldig unsere zahlreichen Fragen.

Im Anschluss ging es um das Thema Kulturschock. Wir erfuhren, wie ein Kulturschock entsteht, welche Phasen er durchläuft und welche Konflikte dadurch innerhalb einer WG entstehen können.

Nach dem Mittagessen stand das Thema Mental Health im Auslandsjahr im Mittelpunkt. Wir sprachen über Hilfsangebote, Möglichkeiten zur Selbstfürsorge und beschäftigten uns mit unseren persönlichen Stresssymptomen.

Der restliche Nachmittag und Abend widmete sich dem Thema Liebe und Sexualität. Zunächst führten wir einen Zoom-Call mit zwei Freiwilligen aus Tansania, die offen von ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Catcalling und Sicherheit im Alltag berichteten. Anschließend sprachen wir über LGBTQIA* und darüber, wie die rechtliche und gesellschaftliche Situation in unseren jeweiligen Einsatzländern aussieht.

Nach dem Abendessen wurden Männer und Frauen getrennt und jede Gruppe konnte in geschützter Atmosphäre eigene Themen besprechen.

Am vorletzten Tag beschäftigten wir uns zunächst mit differenzierter Berichterstattung. Anhand einer Broschüre und eines Buchauszugs diskutierten wir, warum Begriffe wie „Stamm“ oder „Clan“ problematisch sein können und wie eine respektvolle Berichterstattung über andere Länder und Kulturen gelingt.

Danach setzten wir uns kritisch mit dem weltwärts-Programm auseinander. Wir diskutierten unter anderem die Vorwürfe, dass Freiwilligendienste nur dem Lebenslauf dienen, postkoloniale Strukturen verstärken oder dass das Geld an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Den restlichen Nachmittag konnten wir frei gestalten. Unsere einzige Aufgabe bestand darin, einen Brief an unser zukünftiges Ich zu schreiben, den wir beim Rückkehrseminar in einem Jahr wieder lesen werden.

Am Abend backten wir gemeinsam Pizza und traten anschließend in einem Quiz und verschiedenen Spielen gegen unsere Referenten an. Natürlich konnten wir als Teilnehmer gewinnen. Den letzten gemeinsamen Abend ließen wir bis tief in die Nacht am Lagerfeuer ausklingen.

Am nächsten Morgen hieß es dann packen, aufräumen und das Haus putzen. Nach einer gemeinsamen Feedbackrunde war schließlich der Moment gekommen, Abschied zu nehmen. Es war erstaunlich, wie eng man sich innerhalb einer einzigen Woche kennenlernen konnte. Zum Glück wird der Abschied nicht lange dauern – schon in einem Monat sehen wir uns am Flughafen wieder, bevor unser gemeinsames Abenteuer in Ruanda beginnt.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.